8. Dezember 2021

Gebührenfalle bei Online-Wetten

Wieviel kosten Online-Wetten? Welcher Anteil der Einsätze wird von der Wettfirma ausbezahlt, wieviel behält sie für sich als „Wettgebühr“ ein? Nach wie vielen Wetten frisst die Wettgebühr den Einsatz auf?

Wir nehmen als Beispiel die nächsten Fußball-Halbfinalspiele in der Champions League. Die Wettfirma bwin zeigt die folgenden Gewinnraten am 30. April 2016 (Raten können und werden sich über die Zeit ändern):

Halbfinale 1 / 3. Mai 2016 / Bayern München – Atletico Madrid

Heimsieg:                          r1 = 1,53

Unentschieden:                r2 = 3,90

Auswärtssieg:                   r3 = 5,25

Halbfinale 2 / 4. Mai 2016 / Real Madrid – Manchester City

Heimsieg:                          r1 = 1,53

Unentschieden:               r2 = 3,75

Auswärtssieg:                   r3 = 5,50

Die Rate r1 bedeutet, bei einem Einsatz von 1 bekommt man 1,53 im Falle eines Heimsieges.

Die Gewinnrate schließt ein den Einsatz von 1 und den möglichen Gewinn von 0,53.

Gewinnraten werden üblicherweise bestimmt basierend auf der Anzahl an Teilnehmern, die jedes Ergebnis tippen. Wenn mehr Teilnehmer ein bestimmtes Ergebnis tippen, wird der mögliche Gewinn kleiner. Wenn weniger Teilnehmer das Ergebnis tippen, wird der Gewinn grösser.

Im Allgemeinen verringert ein wahrscheinliches Ergebnis den möglichen Gewinn; ein weniger wahrscheinliches erhöht ihn. Wettteilnehmer können verschiedene Strategien verfolgen so dass die Gewinnrate von der Gewinnwahrscheinlichkeit abhängt oder auch nicht, aber dies ist für diese Betrachtung nicht von Bedeutung.

Wenn n1 Teilnehmer auf Ergebnis 1 tippen (Heimsieg), dann tippen

r1/r2 * n1 Teilnehmer auf Ergebnis 2 (Unentschieden) und

r1/r3 * n1 Teilnehmer auf Ergebnis 3 (Auswärtssieg).

Dadurch ist die Gesamtzahl der Teilnehmer N:

N = (1 + r1/r2 + r1/r3) * n1

Wenn w der Einsatz pro Wette ist, dann sind die Summe aller Wetten und das Gesamteinkommen E der Wettfirma:

E = N * w

E = (1 + r1/r2 + r1/r3) * n1 * w

Die Wettfirma wird nach der Wette den Gesamtbetrag A an die Teilnehmer auszahlen (A < E).

Wenn das Ergebnis 1 eintritt:

A = r1 * n1 * w

Wenn das Ergebnis 2 eintritt:

A = r2 * r1/r2 * n1 * w

A = r1 * n1 * w

Wenn das Ergebnis 3 eintritt:

A = r3 * r1/r3 * n1 * w

A = r1 * n1 * w

Das zeigt, dass die Auszahlung A immer gleich ist, unabhängig des Ausgangs. Dies würde man von einer Wette als Grundregel auch erwarten.

Wenn man die Einnahmen E der Wettfirma mit der Auszahlung A vergleicht, sieht man, dass der Vergleich unabhängig von der Anzahl an Teilnehmern ist. Die Anzahl n1 verschwindet bei der Division.

Wichtig für den Teilnehmer sind die Wettkosten d.h. der Anteil der Einsätze die bei der Wettfirma bleiben. Dies ist eine Art „Wettgebühr“ WG = E – A oder in Prozent:

WG = 1 – A/E

WG = 1 – (r1 * n1 * w) / [(1 + r1/r2 + r1/r3) * n1 * w]

WG = 1 – 1 / (1 + r1/r2 + r1/r3)

Erstes Halbfinale:           WG1 = 9.13%

Zweites Halbfinale:       WG2 = 9.26%

Der Unterschied zwischen beiden Zahlen kann auf der Rundung beruhen, die Wettfirmen anwenden, um die Gewinnraten besser lesbar zu machen.

Die Wettgebühr ist:

  1. der Prozentsatz aller Wetteinsätze, der nicht mehr ausgespielt wird. Es ist somit der Gesamtverlust aller Teilnehmer.
  2. wenn auf den einzelnen Teilnehmer heruntergebrochen, der durchschnittliche, erwartete Verlust eines Teilnehmers bei jeder Wette.

Das Gesetz der großen Zahlen gilt, um den durchschnittlichen, erwarteten Verlust zu bestimmen. Die relative Häufigkeit eines Zufallsergebnisses stabilisiert sich in der Regel um die theoretische Wahrscheinlichkeit eines Zufallsergebnisses, wenn das zu Grunde liegende Zufallsexperiment immer wieder unter denselben Voraussetzungen durchgeführt wird.

Die folgende Tabelle zeigt den durchschnittlichen, erwarteten Verlust pro Wette und den aufaddierten durchschnittlichen Verlust bei einer Folge von Wetten (bei gleichem Wetteinsatz; angenommene Wettgebühr = 9.20%):

loss_table_920_de

Es ergeben sich diese Konsequenzen aus einer solch hohen Wettgebühr:

  1. Der durchschnittliche Verlust pro Wette ist 9.20%.

  2. Die Halbwertszeit liegt bei 6 Wetten

Der erwartete, durchschnittliche Verlust liegt aufaddiert bei über 50% nach 6 Wetten. Der Teilnehmer muss also erwarten, dass er nach 6 Wetten die Hälfte eines Wetteinsatzes verspielt hat.

  1. Totalverlust nach 11 Wetten

Nach 11 Wetten beträgt der erwartete, durchschnittliche Verlust aufaddiert über 100%. Der Teilnehmer muss also erwarten, dass er nach 11 Wetten mehr als einen Wetteinsatz verspielt haben wird.

Natürlich müssen Online-Wettfirmen nicht umsonst arbeiten, aber dieses „Zinsniveau“ erscheint doch äußerst hoch. Eine Wettgebühr von deutlich unter 0,5% wäre angebracht, um die Verlustkurve weniger dominant zu bekommen. Internet-basierende Online-Wetten scheinen nicht in der Lage zu sein, die Wettkosten auf ein erträgliches Maß zu senken.

Es stellt sich die Frage wie viele Teilnehmer nicht wissen, dass die Gebühren und Verlustwahrscheinlichkeiten so hoch und somit die Gewinnchancen derart reduziert sein können.